Das Problem mit den Hebammen

Hebammen leisten einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft. Bei rund 800.000 Geburten im Jahr ist es umso wichtiger, dass unsere Kinder sicher zur Welt kommen. Doch Hebammen tun noch viel mehr, als die Frauen und Babys bei der Geburt zu unterstützen. Sie stehen den werdenden Eltern fast vom ersten Tag nach Kenntnis einer Schwangerschaft zur Seite. Zu ihren vielseitigen und spannenden Aufgaben gehören neben der Beratung auch die Betreuung von Geburtsvorbereitungskursen und natürlich die Nachsorge im Anschluss an eine Geburt. Dabei müssen die Hebammen nicht nur fachlich überzeugen, sondern auch menschlich alles geben.

Hebammen sind starken Belastungen ausgesetzt

So schön der Beruf der Hebamme auch ist - ein Zuckerschlecken ist der Berufsalltag ganz sicher nicht. Aufgrund der notorischen Unterversorgung mit Hebammen haben diese mit einem hohen Stresspegel zu kämpfen. Doch damit nicht genug. Trotz der psychischen sowie körperlichen Belastung, welcher die Frauen in ihrem beruflichen Alltag ausgesetzt sind, erhalten sie einen vergleichsweise geringen Verdienst. Trotzdem üben die allermeisten Hebammen ihren Beruf mit Leidenschaft aus und nehmen sich dementsprechend viel Zeit für die schwangeren Frauen und ihre individuellen Sorgen und Probleme. Da eine reibungslose Geburt und die Gesundheit von Kind und Mutter maßgeblich von der Arbeit einer Hebamme abhängt, sind die Frauen zudem einer großen mentalen Belastung ausgesetzt. Sie tragen viel Verantwortung, welche sie im Berufsalltag häufig nur schwer zur Ruhe kommen lässt. Zudem haben sie lange sowie unregelmäßige Arbeitszeiten und nur wenig Pausen. Kinder richten sich nun einmal nicht danach, ob gerade jemand da ist, der sie zur Welt bringen kann. Daher müssen Hebammen sehr flexibel sein. Bereitschaft auf Abruf ist in diesem Beruf absolut keine Seltenheit.

Das Problem mit dem fehlenden Nachwuchs

Aufgrund der oben genannten Problematiken besteht ein Mangel an Nachwuchs bei den Hebammen. Für junge, engagierte und gut ausgebildete Menschen ist dieser Beruf nicht attraktiv. Das liegt zum einen an den schlechten allgemeinen Arbeitsbedingungen und zum anderen an dem zu geringen Gehalt. Die Teilzeitarbeit ist in diesem Bereich ebenfalls so gut wie unmöglich - das macht die Sparte noch unbeliebter bei Berufsanfänger. Kein Wunder also, dass es für werdende Mütter und Väter immer schwieriger wird, eine Hebamme zu finden. Häufig sind die Hebammen bereits Wochen oder gar Monate im Voraus ausgebucht und können auch beim besten Willen keine weiteren Schwangeren mehr annehmen.

Freiberufliche Hebammen haben es schwer

Freiberufler müssen sich um viele Belange selbst kümmern, mit welchen gewöhnliche Angestellte gar nichts zu tun haben. Damit geht ganz allgemein mehr Druck und ein höheres Risiko einher. Für freiberufliche Hebammen ist ganz besonders die Berufshaftpflicht ein kritisches Thema. Da in dieser Sparte viel passieren kann, sind die Beiträge entsprechend hoch und müssen zum größten Teil selbst von den Frauen getragen werden. In Kombination mit dem ohnehin geringen Einkommen gleicht diese Situation einem finanziellen Desaster. Nach Abzug aller Steuern, Versicherungsbeiträge und der privaten Rentenbeiträge verdient eine Hebamme im Schnitt gerade einmal zwischen 16 und 18 Euro netto. Der Verdienst variiert je nach Bundesland und der gesamten Summe der zu zahlenden Beiträge.

Traumberuf Hebamme

Eigentlich ist der Beruf der Hebamme ein absoluter Traumberuf. Die Frauen helfen dabei, neues Leben auf die Welt zu bringen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Ganz nebenbei machen sie Menschen glücklich, indem sie werdenden Mütter mit Rat und Tat zur Seit stehen. Für Frauen, die medizinisch interessiert sind und gerne mit Menschen zu tun haben möchten, ist dieser sinnstiftende Beruf daher wie geschaffen - wären da nicht die schlechten Rahmenbedingungen.

Sofern mehr Personal zur Verfügung stünde, wären die Hebammen keinem solch hohen Stress ausgeliefert. Wenn der Faktor der permanenten Überforderung keine Rolle mehr spielen würde, dann wäre das Ergreifen dieses Berufs auch für junge Menschen viel attraktiver. In Kombination mit höheren Gehälter und einer finanziellen Unterstützung in Sachen Haftpflichtversicherung und Co würde auch dem Anwerben von geeigneten Nachwuchskräften nichts mehr im Wege stehen.

Das fordert der Hebammenverband

Um den Hebammen das Leben zu erleichtern, fordert der Verband unter anderem, dass Schwangere eine flächendeckenden Versorgung erhalten müssen. Zudem soll die Situation in Kreißsälen in Bezug auf das verfügbare Personal, aber auch hinsichtlich der räumlichen Bedingungen verbessert werden. Physiologische Geburten sollten außerdem in Kliniken aktiv gefördert werden und sogenannte Notfallambulanzen sollen einen kassenärztlichen Notdienst rund um die Uhr gewährleisten. Zudem sollen Hebammen auch in leitenden Tätigkeiten eingesetzt werden sowie neue Arbeitsmodelle geschaffen werden.

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